Magazin Meinung 14.05.2025

Einkauf

Sicherheit ist kein Produkt

Es gibt hervorragende Sicherheitsprodukte. Keines davon ersetzt die Fragen, die vor dem Kauf gestellt werden müssten — und die meisten Einbrüche scheitern nicht an fehlender Software.

„Cybersicherheitslösung“ ist ein Wort, das etwas Kaufbares verspricht: ein Gerät, ein Abo, ein Haken auf einer Liste. Das ist verlockend, weil es eine unangenehme Aufgabe in eine Bestellung verwandelt.

Was ein Produkt leisten kann

Einiges, und das soll man nicht kleinreden. Ein moderner Virenschutz erkennt, was vor zehn Jahren durchgekommen wäre. Eine ordentliche Firewall trennt Netze, die getrennt gehören. Ein Passwortmanager beendet die Zettelwirtschaft. Wer nichts davon hat, sollte damit anfangen.

Was kein Produkt leisten kann

  • Es kann nicht wissen, wer im Unternehmen welche Rechte braucht.
  • Es kann nicht entscheiden, welches System wie lange stillstehen darf.
  • Es kann nicht dafür sorgen, dass das Konto der ausgetretenen Person deaktiviert wird.
  • Es kann nicht prüfen, ob sich aus der Sicherung tatsächlich etwas zurückholen lässt.

Alle vier Punkte sind Organisationsfragen. Sie stehen auf keiner Produktseite, weil sich für sie nichts verkaufen lässt.

Der häufigste Fehler nach dem Kauf

Das Gerät wird eingebaut und danach nie wieder angefasst. Regeln, die provisorisch offen bleiben. Firmware von 2021. Meldungen, die an eine Mailadresse gehen, die niemand mehr liest. Eine Firewall, die niemand pflegt, ist ein teures Gerät mit einer Leuchtdiode.

Die Reihenfolge

Zuerst wissen, was man hat und wer wo hineinkommt. Dann die Punkte schliessen, die nichts kosten — Mehrfaktor-Anmeldung, Konten aufräumen, Updates. Erst danach einkaufen, und zwar gezielt für das, was dann noch offen ist.

In dieser Reihenfolge ist das Produkt am Ende oft kleiner als das, was ursprünglich angeboten wurde.

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